Sonderverein der Züchter seltener Zwerg-Wyandotten

Züchter aus ganz Deutschland



Berichte | Hauptsonderschau | 2012 in Gestungshausen

  

Die 44. HSS unseres Sondervereins fand in Gestungshausen statt. Die Organisation der HSS wurde vom rührigen Verein Trübenbach übernommen mit ihrem Ausstellungsleiter André Karl an der Spitze. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal herzlich beim Ausstellungsteam für die schönen Stunden und die großzügige Preisausschüttung aufs Herzlichste bedanken.
Es war die Gedächtnisschau für unseren langjährigen Vorsitzenden Werner Schulze. In seiner 47-jährigen Ära als Kapitän der Seltenen schiffte er in dieser Ewigkeit als Vorstand das SV-Schiff jederzeit sicher an allen Klippen vorbei und machte unseren Sonderverein zu dem, was er heute ist. Gerne hätte er wohl noch die 50 Jahre vollgemacht. Sein Verlust riss eine Lücke in unseren SV, die wohl niemals ganz geschlossen werden kann. Dennoch werden wir alles dafür tun, um sein Lebenswerk so gut wie möglich in seinem Sinne fortzuführen und das wertvolle Schiff weiterhin erfolgreich auf Kurs zu halten. Die HSS in Gestungshausen bot einen mehr als würdigen Rahmen für eine Gedächtnisschau für einen Menschen seines Formats und hätte ihm bestimmt auch sehr gefallen.
Dass in unserem SV das Gesellige nicht zu kurz kommt, davon konnte man sich speziell am stimmungsvollen Züchterabend wieder einmal überzeugen. Sehr gefreut haben wir uns über den Besuch unseres Zuchtfreunds und langjährigen Zuchtwarts der Gescheckten, Otto Repp, der sich sehr angetan zeigte vom Qualitätssprung der letzten Jahre in allen Farbenschlägen.
467 gemeldete Nummern seltener Zwerg-Wyandotten bedeuten ein Plus zum Vorjahr, womit wir mehr als zufrieden sein können.

31,57 Gelbe, die von SR J. Schuchmann begutachtet wurden, waren nicht ganz so stark wie 2011.
Was bei den Hähnen kurzen Rücken zeigte, wurde rigoros zurückgestuft, ebenso waren Kopfpunkte  und Abschlussfülle oftmals Merkmale von Kritiken in der Wünsche- und Mängelspalte. Farblich konnten die Tiere gefallen. Die Flügellage konnte dieses Mal etwas verbessert gezeigt werden, dafür war bei einigen Hähnen die Unterlinie noch ausgebauter zu wünschen. Wir müssen weiter darauf achten, im Körper lange Hähne mit genügend Masse hinter den Schenkeln, gutem Flügeleinbau und dem für die Farberhaltung bei den Hennen so eminent wichtigen Bronzeton im Schwanz der Hähne zu erhalten (v: H. Kampers; hv: H.-W. Risch).
Bei den Hennen wurde ähnlich wie bei den Hähnen auf lange Körper Wert gelegt, dazu war die Federfestigkeit im Abschluss neben der leuchtend satten, möglichst ungesäumten Farbe der Hauptangriffspunkt. Was hier vom hohen Zuchtstand abwich, wurde zurückgesetzt. Einige Tiere könnten auch die Steigung noch konstanter durchziehen. Dies wird auch in Zukunft mehr Beachtung finden müssen. Tiere mit Kehllappenquerfalten und schlechtem Flügelschluss können sg nicht erreichen. Für einen mustergültigen und nicht zu lockeren Abschluss ist neben breiten, festen Steuerfedern eine gute Füllung mit Beifedern essentiell. Ein guter Stand und eine satte gelbe Lauffarbe sind inzwischen Allgemeingut in fast jeder Zucht (v: H. Kampers; hv: A. Westerfeld, 2mal W. Rösener und 2mal H. Kampers).

19,30 Rote stellten sich dem Urteil der SR H. Müth und H. Marquardt. Bei den Hähnen wurde neben der Form mit den Unterpunkten lange Steigung, gute Standhöhe sowie ausgerundete Unterlinie auf eine reine, lackreiche Farbe und breite Abschlussfedern Wert gelegt. Die zum Teil sehr groben Kopfpunkte vergangener Jahre sind schon deutlich verbessert worden, eine zuchtstandsbezogene Bewertung derselben tut aber immer noch Not. Auch manche in der Vergangenheit speziell bei den Roten zu beobachtenden wuchtigen Vertreter sind seltener geworden. Ein Hahn mit rußigem Untergefieder oder Pfeffer in den Handschwingen hat keine Chance auf ein sg. Klasse waren die satte Lauffarbe und der größtenteils freie Stand sowie die Federbreite (v: M. Göttsch, hv: P. Hahn und H. Albrecht).
Bei den Hennen gab es neben den schon länger bekannten Schwierigkeiten mit einer langen und straffen Steigung auch farbliche Herausforderungen zu meistern. Wir verlangen ein möglichst dunkles,  leuchtendes Rot mit deutlichen Schwarzpigmenten in Armschwingen und Schwanz bei beiden Geschlechtern. Allerdings sollen die Handschwingen rein rot und völlig frei von Pfeffer sein, um für eine hohe Benotung infrage zu kommen. Leichter Pfeffer oder kleine Schwarzpigmentplatten an der Schwingenspitze können wir noch tolerieren, wenn diese Einlagerungen sich aber dann punktförmig nach oben in Richtung Kiel ziehen, kann es kein sg mehr geben. Auch ein korrekter Kamm sollte angestrebt sowie die Abschlussfüllung verbessert werden (v: H.-W. Risch und P. Hahn; hv: P. Hahn).

35,58 Blaue wurden von SR H. Marquardt und H. Müth zuchtstandsbezogen bewertet und konnten sich aufgrund ihrer Meldezahl nicht nur den Spitzenplatz im SV, sondern auch das damit verbundene zweite SV-EB für die HSS 2013 sichern.
Neben den hohen Ansprüchen an Form und Abschlussbreite und Abschlussfülle wurde bei den Hähnen auf korrekte Kopfpunkte Wert gelegt. Die Halsfarbe wird samtschwarz verlangt, für Brauneinlagerungen gab es untere Noten. Ebenso mussten Wünsche nach einer etwas breiteren und festeren Abschlussfeder konstatiert werden. Auch die gezogene Steigung sowie die Unterlinie wurden kritisch auf der Bewertungskarte in der Wünsche- und Mängelspalte vermerkt (v: F. Stinglhammer; hv: T. Rell und G. Gertlowski).
Die Hennen waren in der Farbe wesentlich besser als in den vergangenen Jahren und wiesen meiner Meinung nach gegenüber 2011 im Ganzen eine deutliche Verbesserung der durchschnittlichen Qualität auf. Die Grundfarbe variiert naturgemäß immer etwas, allerdings sollten zu dunkle und zu helle Tiere nicht mehr in die Preise kommen. Auch bei den Hennen sind bräunliche Hälse zu verwerfen. Auf die korrekte Lage der Hinterzehen wird auch mehr zu achten sein. Weiter muss auf die gestreckte Form Wert gelegt werden. Standhöhe, Abschlussbreite und -fülle waren Kritikpunkte, bei manchen störten grobe Kopfpunkte das einheitliche Gesamtbild (v: R. Busse und G. Gertlowski; hv: M. Brümmer, G. Gertlowski und F. Stinglhammer).

28,35 Schwarz-Weißgescheckte wurden von SR W. Roschke begutachtet.
Sehr erfreulich waren die Hähne, die sich wiederum verbessert präsentieren konnten. Neben den formlichen Aspekten wie Steigung, Abschlussfülle und -breite sowie der ausgerundeteten Unterlinie gaben vereinzelt auch die Kopfpunkte und die Farbgebung Anlass zur Kritik. Hähne, die fast zeichnungslos schwarz daher kommen, werden ebenso zurück gesetzt wie zeichnungsmäßig Überladene mit verwaschenem Übergang zwischen der rein weiß geforderten Perle und der Grundfarbe. Auch bei zu vielen weißen Schwingen (maximal 3 weiße Handschwingen sind in Ordnung) ist sg nicht mehr möglich (hv: F. Müller).
Die Hennen waren wirklich klasse und sehr einheitlich im Gesamtbild. Vielfach waren schöne Formentiere zu bestaunen, sodass auch hier der Hauptschwerpunkt der Bewertungsarbeit auf die richtige Färbung gelegt werden konnte. Wir verlangen eine rein weiße dezente Zeichnung bei Junghennen, die scharf abgegrenzt gleichmäßig über den gesamten Mantel verteilt sein soll. Die Gleichmäßigkeit der Farbverteilung sollte noch besser werden, für die geforderte Rundumzeichnung sind allerdings rein schwarze Köpfe zu verwerfen. Auch soll die Zeichnung nicht zu grob werden, denn wir haben ja analog zu den Braun-Porzellanfarbigen im Grunde einen dreifarbigen Farbenschlag, bei dem Tupfen und Grundfarbe gleichfarbig sind. Klasse waren die satt gelbe Lauffarbe und der größtenteils freie Stand bei guter Körperlänge (2mal v: A. Bosl; hv: J. Züger und 2mal A. Bosl).

23,37 Braun-Porzellanfarbige konnten das Tal von 2011 wieder verlassen und alten Schwung aufnehmen. Bewertet wurden sie von SR H. Tiedtke. Bei den 1,0 wären neben den Wünschen in formlicher Hinsicht (mehr Steigung, Abschluss breiter und gefüllter) auch bei einigen Tieren eine sattere Hals- und Grundfarbe sowie weniger Weißanteile in den Schwingen vorteilhafter. Auch die Treppenzeichnung und die Flügelbinde könnten noch etwas klarer sein. Die Kopfpunkte bedürfen weiterhin einer etwas nachsichtigeren Bewertung (v: M. Brümmer; hv: M. Walter).
Bei den 0,1 ähnelten die Wünsche denen der schwarz-weißgescheckten Hennen doch sehr: Zeichnungsabgrenzung und -verteilung waren neben der Größe der einzelnen Areale der dreifarbigen Federn wesentliche Punkte bei den Farbmerkmalen. Auch die naturgemäß variierende Grundfarbe könnte hier und da noch korrekter sein. Besonders geachtet wurde aber auf die langgestreckte Form mit gezogener Steigung und gut gefülltem Abschluss (v: C. Züger und F. Müller; hv: H. Röhler und 2mal J. Kaleja).  

18,26 Lachsfarbige wurden von SR H. Kampers begutachtet. Es wurden in den letzten 10 Jahren durch Einkreuzungen zwar Form, Stand und Feder verbessert, als schweres Erbe daraus haben sich aber nun massive Farbprobleme eingeschlichen, die es ohne Wenn und Aber in Reinzucht zu bekämpfen gilt, wenn der Abwärtstrend der letzten Jahre gestoppt und die Lachsfarbigen wieder zu alter Blüte geführt werden sollen. Zwar scheint die Talsohle im SV durchschritten, dennoch darf es auch weiterhin kein Nachlassen in farblicher Hinsicht geben! Wie man perfekte Lachsfarbige züchtet machte H. Schulze mit 2mal v und 6mal hv vor – großes Kompliment!
Bei den 1,0 fordern wir keinen Krausenfleck, allerdings sind die verdeckten braunen Einlagerungen im elfenbeinfarbigen Halsbehang von elementarer Bedeutung für die Farbvererbung bei den Hennen. Fehlen diese oder ist zu viel Silberfaktor im Hals, hat das Tier weder für die Zucht noch für den Ausstellungskäfig einen Wert. Das hell geforderte Flügeldreieck sollte zumindest angedeutet vorhanden und nicht rein schwarz sein. Ebenso waren Wünsche in der Rückenfarbe sowie im teilweise spärlich vorhandenen messinggesäumten Rotbraun auf den Flügeldecken zu registrieren. Die Hahnenbrust muss rein schwarz sein, nur so bekommen wir bei den Hennen den unerwünschten Überlauf der Lachsfarbe in Unterbrust und Bauch in den Griff. Einige 1,0 sollten in den Kopfpunkten feiner sein, diese sind aber vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten mit Färbung und Form von nachgeordneter Bedeutung (v und 3mal hv: H. Schulze).
Bei den Hennen sind neben den Formmerkmalen auch die Attribute aus farblicher Sicht zu nennen, die besonders Probleme machen. Mehr Lachsrot auf den Flügeldecken und reinere Bauchfarbe waren hier neben der klareren Säumung im Mantel die Hauptkritikpunkte. Der Überlauf ist schon recht gut in den Griff bekommen worden, einzelne Tiere mussten dennoch deswegen zurückgestuft werden. An einer strafferen Steigung muss weiter gearbeitet werden. Eine satte Lauffarbe hingegen ist fest in den Zuchten verankert (v H. Schulze; hv: K. Klemm und 3mal H. Schulze).

18,25  Gelb-Weißgesperberte (SR R. Roux und W. Roschke) haben den hohen Qualitätsstand gehalten, obwohl die Färbungsvariationen nicht immer einheitlich waren. Die typische Formanlage bei langen Körpern ist vielfach schon vorhanden. Die Kopfpunkte waren schon recht typisch und auch Lauffarbe und Steigung wurden häufig positiv vermerkt.
Bei den Hähnen sahen wir schöne, frei stehende Tiere mit meist guter Oberlinie und breitem Abschluss, während die Brusttiefe noch etwas markanter gewünscht wurde. Auch wenn die meisten Tiere in der Oberfarbe sehr überzeugend daher kamen, so zeigte sich das eigentliche Problem oftmals erst in der Färbung der Schwingen und des Flügeldreiecks. Zwar tut eine zuchtstandsbezogene Bewertung derselben momentan noch Not, aber Areale von mehreren Zentimetern mit Weiß- oder Schwarzeinlagerungen am Stück sind für sg nicht mehr gut genug, vor allem wenn man bedenkt, dass die Musterbeschreibung hier eine Sperberung vorsieht (hv: K. Pröger).
Bei einigen 0,1 konnte die Steigung etwas gezogener und die Abschlüsse noch etwas gefüllter sein, während Lauffarbe, Standhöhe und Kopfpunkte in den meisten Fällen positiv vermerkt wurden. In farblicher Hinsicht muss festgehalten werden, dass eine verwaschene Mantelfarbe mit Weiß- und Gelbanteil ebenso wenig das Ideal sein kann wie Tiere, die in der Grundfarbe schon etwas fuchsig werden. Im Idealfall ist jede Feder bis in den Schenkelbereich gesperbert. Schwarzpigmente in Schwingen und Schwanz der Henne sind hilfreich, müssen für hohe Noten aber nicht zwangsläufig vorhanden sein, wenn ansonsten die Sperberung passt. Die Spitzentiere zeigten neben einer guten Form schon eine recht klare Sperberung (v: Th. Hintz und K. Pröger; hv: O. Klemm und Th. Hintz).

23,22 Kennfarbige waren wohl die positivste Überraschung dieser HSS. Sie haben erfreulicherweise im Vergleich zum Vorjahr sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht noch einmal einen weiteren Quantensprung vollzogen und wurden von SR R. Roux bewertet.
Auch wenn bei den Hähnen Steigung, Körperlänge und Abschlussfülle hier und da noch etwas edler sein konnten, so passten die Formanlagen doch in den meisten Fällen, ebenso zeigten sich die Kopfpunkte zwar noch etwas grob, aber dennoch wesentlich verbessert. Auch farblich ist einiges erreicht worden. In Zukunft sollte auf nicht zu strohige Halsfarbe und ein dreifarbiges Flügeldreieck weiter geachtet werden. Für den Dreiklang sind eine richtige Ausfärbung von Hals, Decken (rötlich) und Sattel (dunkler als Hals) essentiell. Da wir keine Kennsperber, sondern Kennfarbige züchten wollen, verlangen wir eine rein gesperberte Brustfarbe, sodass eine weitere Zurückdrängung der störenden Braunanteile aus Brust und Schenkel, die wir momentan aufgrund des Zuchtstands noch in Maßen tolerieren müssen, für die nächsten Jahre weit oben auf der Agenda stehen wird (4mal hv: H. Kampers).
Die Hennen zeigten sich mit relativ großer Variation, waren aber alle noch im gesetzten Rahmen. Manche könnten etwas freier stehen, andere sollten eine gezogenere Steigung zeigen und wieder andere in Kämmen und Abschlussbreite etwas feiner sein. Wir verlangen eine rebhuhnfarbige Henne mit Sperberung, nicht mehr und nicht weniger. Die Grundfarbe passte in den meisten Fällen, auch wenn eine Zurückdrängung des Rosts weiterhin nötig sein wird. Ebenso sollte die Rieselung besser verteilt und teilweise die Sperberung noch deutlicher sein. Hier zeigt sich das Problem, dass wir meist Hennen sehen, bei denen entweder die Sperberung oder die Grundfarbe etwas zu dominierend ist. Auch eine reinere Lachsbrust wird in den kommenden Jahren anzustreben sein (v und 3mal hv: H. Schierholz).

So viel zu den Tieren der 44. HSS.
Der Unterzeichner wünscht allen Züchtern ein erfolgreiches Zuchtjahr 2013 und freut sich auf ein Wiedersehen bei der 45. HSS, die Mitte November 2013 bei Würzburg stattfinden wird. Vielleicht gelingt es uns ja das tolle Meldeergebnis von Gestungshausen noch einmal zu steigern.

René Roux